Neue Codex-Leitlinie zur Vorsorgekennzeichnung von Allergenen (PAL)

Internationale Entwicklung stärkt den risikobasierten Ansatz des Allergie-Gütesiegels
Die Codex-Alimentarius-Kommission hat eine neue internationale Leitlinie zur Vorsorgekennzeichnung von Allergenen ("May contain" bzw. "Kann enthalten") verabschiedet. Ziel ist eine weltweit einheitlichere und wissenschaftlich fundierte Anwendung der freiwilligen Allergenwarnhinweise.
Neu soll eine Vorsorgekennzeichnung nur dann verwendet werden, wenn nach einer systematischen Risikobewertung trotz geeigneter Massnahmen zur Vermeidung von Kreuzkontaminationen ein relevantes Restrisiko für Allergikerinnen und Allergiker verbleibt. Ein "Kann enthalten"-Hinweis soll somit nicht mehr als reine Vorsichtsmassnahme oder Haftungsabsicherung eingesetzt werden.
Was bedeutet das für den Standard Allergie-Gütesiegel?
Für das Allergie-Gütesiegel ergeben sich keine unmittelbaren Änderungen der Zertifizierungsanforderungen.
Der Standard verlangt bereits heute ein dokumentiertes Allergenmanagement nach den Grundsätzen eines HACCP-Konzepts auf Basis des Codex Alimentarius. Betriebe müssen allergenbezogene Risiken identifizieren, bewerten und wirksam beherrschen. Zudem gelten für die zertifizierten Auslobungen definierte Höchstwerte sowie Anforderungen an Analysen, Qualitätsmanagement und Audits.
Die neue Codex-Leitlinie stärkt damit den risikobasierten Ansatz, der im Standard Allergie-Gütesiegel bereits seit Jahren umgesetzt wird.
Bedeutung für Auditorinnen und Auditoren
Im Rahmen von Audits gewinnt die nachvollziehbare Bewertung unbeabsichtigter Vermischungen weiter an Bedeutung. Insbesondere ist darauf zu achten, dass:
- allergenbezogene Gefahren systematisch im HACCP- bzw. Allergenmanagement berücksichtigt werden,
- Risiken für Kreuzkontaminationen bewertet und geeignete Präventionsmassnahmen umgesetzt sind,
- eine Vorsorgekennzeichnung ("Kann enthalten") nachvollziehbar begründet werden kann und
- die Anforderungen an die zertifizierten Auslobungen jederzeit eingehalten werden.
Die Codex-Leitlinie unterstreicht damit die Bedeutung eines wirksamen, dokumentierten und risikobasierten Allergenmanagements.
Ausblick
Der Codex Alimentarius dient weltweit als wichtige Referenz für die Weiterentwicklung und Harmonisierung lebensmittelrechtlicher Anforderungen. Es ist daher zu erwarten, dass die neuen Leitlinien künftig auch Einfluss auf nationale Regelwerke und die Praxis der Allergenkennzeichnung haben werden.
Service Allergie Suisse wird die internationale Entwicklung weiterhin beobachten und prüfen, ob sich daraus künftig Anpassungen oder Präzisierungen des Standards Allergie-Gütesiegel ergeben.
